Liebe Leserin, lieber Leser, der Fahrplan zur „großen Koalition“ steht. Zwar vermeiden Union und SPD es, ihr Zweckbündnis als „Fortschrittskoalition“ zu verkaufen, wie es die Ampel-Vorgänger versucht hatten, ehe sie sich eher rückschrittlich im Dauerzoff verhakten. Dass sich vieles ändern solle in Deutschland, sagen die Koalitionäre dennoch. Politiker beklagen gern fehlenden Veränderungswillen in der Bevölkerung. Damit haben sie bestimmt recht, doch vielleicht liegt der Grund auch darin, dass die Politik diese Unlust auf Veränderung vorlebt? Dass der Mensch nichts so fürchtet wie die Berührung durch Unbekanntes, wusste schon Elias Canetti. Klar, parteiinterne Fron ist wichtig, aber wenn nur sie zählt, landen wir halt da, wo wir gerade sind. So konnte es passieren, dass ein tief unpopulärer Kanzlerkandidat aus „Parteiräson“ noch einmal antreten durfte, obwohl es ein Desaster mit Ansage war,…
