Früher, so vor drei, vier Jahren, bekam ich immerhin noch Stöhnanrufe. Wenn statt Begrüßung so ein Oahh, Gnaag oder Hhngw aus dem Hörer drang, war schon vor dem ersten Wort klar: Das kann nur mein Lieblingskollege Oli sein, der hat einen anstrengenden Auftrag für mich, unangenehme Nachrichten, oder er ist gerade sehr im Stress. Wir arbeiten bis heute eng zusammen, aber an den Klang seiner Stimme kann ich mich kaum mehr erinnern.
Mein Telefon klingelt nämlich nicht mehr. Mit zwei Ausnahmen: Indische Call-Center-Gauner, die sich als Computerfachleute ausgeben („Madam, I am calling from Microsoft Office“) und hoffen, dass ich Ihnen alle meine Passwörter durchgebe; und meine Schwiegermutter. Wer sonst etwas von mir will, gibt’s mir schriftlich – meine Freunde, meine Mutter, Kollege Oli, sogar meine zehnjährige Tochter. Die schickt mir…
