Optisch war Corona, insbesondere während der Lockdowns, die Epoche des Hoodies, der Jogginghose und des Ganztagespyjamas. Galt das auch für Sie?
BARBARA VINKEN: Nein, denn ich bin überzeugt: Nur in scharf geschnittener Kleidung kann man auch scharf denken. Damit meine ich nicht einengend, es gibt wunderbare Alternativen – mein Schrank enthält viel Kaschmir, weite, Marlene-Dietrich-artige Writers Pants und schwingende Röcke und Kleider im Lagenlook.
Dass es eine Wechselwirkung zwischen Outfit und Output geben könnte, haben im Homeoffice viele zumindest geahnt. „Zieh dich richtig an, auch wenn dich keiner sieht“, habe ich als Rat verinnerlicht.
Unsere Geisteshaltung wird immer von unserer äußeren Haltung beeinflusst. Kleidung ist, linguistisch ausgedrückt, ein Sprechakt: Wir signalisieren, wer wir sind, selbst ohne dass jemand zusieht. Eine Jogginghose kann natürlich auch heißen: Pass auf, ich tue hier…
