Die Bilder der Frauen, die sie vor 20 Jahren als Medizinstudentin in einem Kairoer Krankenhaus betreute, wird Alyaa Gad nie vergessen: Die Körper der Patientinnen waren übersät von blauen Flecken, bei vielen war die Dammregion zerfetzt. Ihre Männer hatten sie mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Einige Frauen brauchten Transfusionen, weil sie so stark bluteten. „Die Männer hatten einfach überhaupt keine Ahnung von Sex“, erinnert sich Gad, und ihre Stimme klingt noch immer fassungslos. „Sie dachten: Wenn das Penetrieren nicht gleich klappt, muss ich eben Gewalt anwenden. Dabei sollte Sex doch schön sein!“
Sexualität, zumal die weibliche, war in ihrer Heimat Ägypten damals ein Tabu. Doch auch heute, sagt Gad, eine lebhafte Frau mit wilden Locken, gebe es eigentlich nur eine, die öffentlich darüber spreche: Heba Kotb, eine streng religiöse Sexologin…