»Eine Geschichte aus einem anderen Jahrhundert« Liebe Leserin, lieber Leser,
Das Bewerbungsgespräch lief bestens, eigentlich. Es ging um eine Stelle als Redakteurin bei einem Magazin. Zum Schluss, als alle anderen Lichter auf Grün standen, wagte ich die entscheidende Frage: ob es möglich sei, statt 40 Stunden pro Woche nur 30 oder 32 zu arbeiten. Ich war alleinerziehend, mein Sohn gerade mal fünf, die Großeltern zwei Fahrstunden entfernt. Ach ja, und der Kindergarten schloss um 18 Uhr. Eine Stunde vor Dienstschluss.
Der Chefredakteur – verheiratet, Kinder, klassisches Familienmodell – schüttelte bedauernd den Kopf. „Sie müssen sich schon entscheiden“, meinte er, „ganz oder gar nicht.“ Wie gesagt: Ich bewarb mich nicht als Kanzlerin oder als CEO eines Dax-Unternehmens, sondern als normale Redakteurin mit überschaubarer Verantwortung und auf der untersten Hierarchiestufe. Doch mein…
