Seit ein paar Jahren beobachte ich mit wachsendem Widerwillen, wie Gemütlichkeit als Lebenseinstellung vermarktet wird, und zwar einerseits von der Lifestyle-Industrie, andererseits von der Politik. Zum einen gibt es diesen ganzen in sanften Erdtönen ausgeleuchteten Zirkus um die skandinavische Hygge, also diese bestimmte Art der Behaglichkeit, für die man handgeknüpfte Wolldecken, hochflorige Teppiche, Zitronengras-Ingwer-Tee und Scones mit selbstgemachter Blaubeermarmelade braucht, ein gepflegtes Sammelsurium aus allerhand Behaglichkeits-Accessoires. Zum anderen ist plötzlich der an und für sich sehr behagliche Begriff Heimat wieder eine politische Kategorie, über die gestritten und nach der ganze Ministerien benannt werden. Da merkt man dann schon, dass zwischen urgemütlich und ungemütlich nur eine ganz schmale Grenze liegt, nicht mal ein halber Buchstabe: Das Gefühl, sich an einen vertrauten Ort zurückziehen und es dort schön haben zu können, ist…
