ANDREA HAT das Trockengesteck abgenommen, das über dem Pflegebett hing. Auch das Radio, das sonst tagein, tagaus gegen die Stille in Omas Haus angedudelt hatte, bleibt an diesem Morgen, Omas drittletztem, stumm. Stattdessen singt Andrea ihr, der treuen Kirchgängerin, beim Frischmachen ein Marienlied. Mama, gerade zurückgekehrt, ist ein bisschen pikiert: War denn alles falsch, was sie getan hat?
Der Hausarzt, mit dem meine Mutter die Schritte besprechen will, ist keine große Hilfe. Er sagt tatsächlich: „Auch wenn Ihre Schwiegermutter Schmerzen hat, da oben kommt doch eh nichts mehr an.“ Sie verabreden schließlich doch, Pflege und Arzneien auf das Nötigste zu begrenzen, ihr nur noch Schmerzmittel und Gutes zukommen zu lassen. Andrea und meine Mutter wollen gucken, was Oma will, und sie dabei begleiten.
Mama hatte ein paar Jahre zuvor die…
