Poesie müsse Gefühle wecken, das hatte Artjom immer gesagt. Ganz egal, welche. Deshalb provozierte er gern: Negative Gefühle seien ja auch Gefühle, erklärte er. Damals dachte er noch, sein Land würde ein Gedicht aushalten, auch wenn dessen Verse schmerzen. Aber Russland hält nichts mehr aus, und so sitzt Artjom wegen der Zeilen im Gefängnis.
Sieben Jahre lautete das Urteil. Sieben Jahre für ein Gedicht.
Dichter, das klingt altmodisch, nach einem, der mit Füllhalter in Notizbücher schreibt. Aber Artjom fühlte sich wie ein Rapper, sagt seine Frau Alexandra Popowa, 31. Oder wie ein Rockstar. Er setzte seine Brille ab und trug Kontaktlinsen, wenn er seine Verse rezitierte, denn die Brille sollte nicht stören, er gestikulierte gern. Er trug Sneaker während seiner Lesungen, er hat eine ganze Sammlung davon, mindestens 30 Paar.…