Es gibt Bücher, nach deren Ende man eine Weile regungslos sitzen bleiben muss und nichts tun kann, außer der Welt, aus der man langsam wieder auftaucht, und den Gefühlen, die sie ausgelöst hat, nachzuspüren. David Szalays Roman „Was nicht gesagt werden kann“, für den der Brite mit dem diesjährigen Booker Prize ausgezeichnet wurde, ist so ein Buch. Die Erzählung, die sich über ein halbes Jahrhundert spannt, folgt dem Protagonisten István, der sich zwischen Ungarn und England, Außenseitertum und sozialem Aufstieg bewegt. Zu Beginn ist István 15 Jahre alt und wird von seiner deutlich älteren, verheirateten Nachbarin verführt. Schon hier sind viele der entscheidenden Motive, die durch die Geschichte tragen, angelegt: Machtgefälle, Schweigen, Sex als Weichensteller des Lebens.
An einem eisigen Mittwoch im November sitzt David Szalay im Gartenhaus seines deutschen…