Am schlimmsten war das Geräusch. Ein Rattern aus der Tiefe des Erdbodens, als würden hundert Motorräder dröhnen, nur dumpfer, ächzender.
Keshari Maharjan war am Tag des großen Bebens allein zu Haus, es war Samstag, kurz vor Mittag, der 25. April 2015. Sie fiel auf den Boden, eine zierliche Frau, 68 Jahre, in ihrer Wohnung im zweiten Stock in der Altstadt von Kirtipur, eine halbe Autostunde südwestlich von Nepals Hauptstadt Kathmandu. „Ich dachte, ich sterbe dort“, sagt sie. Jetzt, da sie davon erzählt, reißt sie die Arme in die Luft und deutet an, wie sie stürzte und hilflos dalag, verrückt vor Angst. Bevor die Decke über ihr einbrach, schaffte sie es nach draußen, die schmale, unbeleuchtete Holzstiege hinunter, hinaus durch den niedrigen Eingang, der mehr eine Luke als eine Tür ist.…
