Jahresrückblick 2017: Die besten Bilder, die besten Geschichten • Jung, smart, ehrgeizig: Die neue Generation der Politiker • Stürme und Starkregen: Auf den Spuren des Klimawandels • Exklusiv: Keith Richards über die Rolling-Stones-Tour
„Historisch gesehen herrschte nur in sehr kurzen Zeitspannen Demokratie, die ist sehr verwundbar“Robert Harris, Schriftsteller, Seite 38 Am Anfang dieses Jahres hielten die meisten Menschen, mit denen ich über Donald Trump gesprochen habe, den 45. Präsidenten der USA für ein Missgeschick der Demokratie. Einen Ausrutscher, der in kürzester Zeit revidiert wird, wenn sich die Aufregung gelegt hat. Es überwog dazu die Hoffnung, dass alles schon nicht so schlimm werde. Trump hatte zwar einen völlig überzogenen, grotesken Wahlkampf geführt, aber das Amt werde ihn schon zur Vernunft bringen. Das Gegenteil trat ein. Die erschreckende Erkenntnis ist: Demokratisch legitimierte Institutionen sind im 21. Jahrhundert nicht wetterfest gegen die Angriffe von Autokraten. Darüber spricht auch der britische Bestsellerautor Robert Harris (Seite 38): „Wir haben gedacht, dass Demokratie eine Art natürlicher Zustand ist, das…
Ein Mann hält die Welt in Atem. Den stern auch Wo sonst sollte das New-York-Team des stern für ein Foto posieren als vor dem Trump Tower? Zumal das Gebäude alles über Amerikas Präsidenten aussagt. Es hat nicht 68 Etagen, wie Trump behauptet, sondern nur 58. Wie Trump auch politisch eigene Wahrheiten schafft, gehörte 2017 zu den größten Herausforderungen unserer US-Redaktion in New York (v.l.): Nicolas Büchse, Angelika Hala, Andreas Albes und Anuschka Tomat. Kaum ein Tag verging für sie ohne Eilmeldungen über den neuen US-Präsidenten. Tausende Kilometer reisten die Korrespondenten im Jahr 2017 durch die USA vom Bundesstaat Washington bis zur Grenze nach Mexiko und zu Trumps Resort Mar-a-Lago in Florida. Insgesamt tauchte Trumps Name in mehr als 250 stern-Artikeln auf, fünf Mal stand er auf…
Nein, es war nicht die Flüchtlingskrise. Auch wenn Interessierte nicht müde werden, das zu behaupten. Jens Spahn etwa, der junge Anführer der Neokonservativen in der CDU. Die Daten sprechen dagegen. Im Juli nämlich, zwei Monate vor der Bundestagswahl, kam die Union noch in den Meinungsumfragen auf 40 Prozent. Über Wochen. Scheinbar stabil. Und die AfD mickerte bei 7. Die Flüchtlingskrise war, was die Wahlmotive angeht, weitgehend ausgeschwitzt. Dann sickerten die Wähler aus der Union, unablässig. Das Wahljahr, in dem die parteipolitische Stabilität Deutschlands in Scherben fiel, nahm durch ganz andere, besorgniserregendere Faktoren seine Wende. Christ- und Sozialdemokraten haben sich miteinander und aneinander erschöpft. Der schlechteste Wahlkampf aller Zeiten konnte das nicht mehr verbergen – er war das Resultat. Beide waren so ausgezehrt, kraftlos dahintrottende Elefanten, dass Fundamentales zerbrach: die Fähigkeit…
Vor der Freiheit kommt die Schlacht, und sie lässt Mossul in Trümmern zurück. Es ist März, als dieser Vater mit seiner Tochter aus einem der vom IS gehaltenen Gebiete der Stadt flieht. Zu dieser Zeit nähert sich die irakische Armee langsam der Altstadt, aber es wird noch bis zum Sommer dauern, bis sie alle Viertel zurückerobert hat. Befreit. Aber nicht befriedet. Die Soldaten rächen sich an allen, die sie für IS-nah halten, der Hass auf die Terroristen macht einige selbst zu Folterern und Mördern. Mossul ist kein Ort des Neuanfangs, sondern der Abrechnung. Und in den Köpfen der Menschen gedeiht heute der Hass von morgen.…
Es ist das eine, was an diesem Tag im August in Charlottesville geschieht. In dem Städtchen in Virginia demonstrieren Rechtsextreme gegen die Entfernung eines Südstaatendenkmals. Dabei kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten. Als ein Mann absichtlich mit einem Auto in die Menge fährt, wird eine Frau getötet, und 19 Menschen werden verletzt. Das andere ist die Reaktion des US-Präsidenten: Donald Trump weigert sich, die Taten der Rechten zu verurteilen. Es seien auf beiden Seiten Fehler gemacht worden, sagt er. Was bleibt, ist die quälende Frage: Wie weit rechts steht Trump?…
Freude, schöner Götter- funken – sie ist tatsächlich fertig geworden. Im Januar wird in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet, das neue Aushängeschild der Stadt. Während drinnen beim ersten offiziellen Konzert das Finale aus Beethovens 9. Sinfonie erklingt, wird das Gebäude draußen mit einer Lichtshow gefeiert, die den Himmel über der Elbe erstrahlen lässt. Die scheinbar endlose Arie über immense technische Herausforderungen und ins Uferlose steigende Kosten verstummt. Insgesamt hat das Konzerthaus 789 Millionen Euro Steuergelder gekostet. Die Hamburger nennen es dennoch liebevoll „Elphi“.…