Einmal im meinem Leben war ich Marie Kondo ganz nah. Ich hatte gerade mein erstes WG-Zimmer bezogen, und die 16 Quadratmeter waren in einem zenmeisterlichen Zustand: eine Matratze, eine GrĂŒnpflanze, ein KleiderstĂ€nder, ein Schwarz-WeiĂ-Poster. So pur, so perfekt, genau, wie es die japanische AufrĂ€umqueen heute propagiert. Eine Woche spĂ€ter kam der Rest per Beiladung aus meiner Heimatstadt, und prompt war Schluss mit der reinen Leere: Teenie-TagebĂŒcher, Fotoalben, zerlesene Paperbacks und neonfarbene Stretchoberteile fluteten den Raum, und mit den vertrauten Dingen kam auch das HeimatgefĂŒhl zurĂŒck. Krempel statt Tempel, stapelweise Ich.
Damals war ich 20, und wenn ich mich umsehe, habe ich den Eindruck: Je mehr Leben wir alle auf dem Buckel haben, desto manischer versuchen wir, diesen unbefleckten Urzustand des ersten WG-Zimmers wieder herzustellen. Minimalismus-Blogs haben Konjunktur, im Kino stelltâŠ
