Einmal wurde er gefragt, ob er sich verändert habe im Laufe seiner Berufstätigkeit als Strafverteidiger. Ja, hat Ferdinand von Schirach gesagt, man urteile nicht mehr über einen Menschen, man betrachte ihn. Ein komischer Satz irgendwie, denn beides steckt drin, Distanz und Nähe, und genauso lesen sich die Bücher des 53-Jährigen. 2009 erschien „Verbrechen“, eine literarische Aufarbeitung einiger seiner Fälle. Es war ein faszinierendes Buch, lakonisch, nüchtern, von weit draußen erzählt, nicht psychologisierend und doch mit einem tiefen Blick in die Seele von Menschen, die morden, vergewaltigen, misshandeln. Schirach will verstehen, warum sie tun, was sie tun, warum ein Mord manchmal unausweichlich erscheint. Zumindest: erklärbar wird. Und so muss man auch seinen neuen Band „Strafe“ lesen, der am 5. März erscheint: als ein Plädoyer für das Verstehen.
Verstörend? Ja, kann sein.…
